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"Der weise Panda" beim JOE-Festival am 19.01.2017 von Sven Thielmann (WAZ)

"JO" Konzert bei der Jazzinitiative Dinslaken am 14.1.2017 von Bettina Schlack (NRZ)

NGZ 05.09.2016

MAM/Der Weise Panda: Ok gringo, the title means the wise panda, not the white panda. Playing modern art jazz to the left of the usual ECM arty release, this nu crew has already gotten some big awards under their belt in competition where one of the judges was Klaus Doldinger­­­so this isn't some kind of "American Idol" baloney award. With an ear toward the kind of mix mastered art jazz you'd hear coming from San Francisco in the early 70s, the vibe and the groove are the thing. Wild stuff that gives you a well focused glimpse of tomorrow.

71171 (Jazz Thing Next Generation Vol. 63)

 

Midwest Record, 21.5.2016

Saarbrücker Zeitung, Januar 2016, Stefan Uhrmacher

Malstrom 29.08.2015 Windischleuba, Wasserwerk

 

Anno 2014 feierte ein Gemeinschaftsprojekt des Jazzklubs Altenburg mit einem ortsansässigen Metallbauer Premiere: Letzterer nutzt Räumlichkeiten in einem stillgelegten Wasserwerk südlich von Windischleuba in der Pleißenaue, und in ebenjenen stellte eine Handvoll regionaler Künstler verschiedener Sparten einige ihrer Werke aus, während sich der Jazzklub um die musikalische Komponente der Veranstaltung kümmerte. Diese happeningartige Veranstaltung kam bei allen Beteiligten außer dem Ordnungsamt prima an, und so beschloß man, 2015 einen zweiten Teil folgen zu lassen. In der Zwischenzeit hatte der Metallbauer die Räumlichkeiten etwas umgestaltet und zur großen Veranstaltungshalle noch einen weiteren Zugang und damit einen potentiellen Fluchtweg geschaffen, was auch das Ordnungsamt zufriedenstellte.

Das angenehm warme letzte Augustwochenende gibt auch von den äußeren Rahmenbedingungen her alles, und so findet sich zur Zweitauflage, die gleichzeitig als Eröffnungsveranstaltung des 25. Jahrgangs des Altenburger Jazzherbstes fungiert, eine ansehnliche Publikumskopfzahl ein. Zu sehen sind diesmal Werke von 13 Künstlern (vom klassischen Ölgemälde bis zur Installation jahrzehntealter Glühlampen), und für den musikalischen Teil sorgen Malstrom, die in der Ankündigung als "ein Heavy-Metal-Hardrock-Freejazz-Experiment unter Starkstrom" (ein Zitat aus der Passauer Neuen Presse zur Verleihung des Burghausener Jazznachwuchspreises, wie sich herausstellt) beschrieben werden. Aha. Nach dem Opener "Malstrom", zugleich Titeltrack der Debüt-CD, ist man schlauer und doch auch wieder nicht. Auf der Bühne agieren ein Saxophonist, ein Gitarrist und ein Drummer - aha, kein Bassist also, es sei denn, der Gitarrist (Optik: Billy Gibbons meets Johan Hegg plus Dutt) verwandelt sich in einen solchen, was er immer mal tut, da ihm sein Achtsaiter (!) die mannigfaltigsten Möglichkeiten bietet. Die werden allerdings in der grundsätzlichen Klangvielfalt der Truppe auch gebraucht, denn auch der Drummer hat neben dem normalen Kit einige außergewöhnliche Schlaginstrumente in petto, und der Saxer benutzt nicht nur sein Instrument als Ganzes, sondern auch lediglich Teile von ihm, er dämpft die Klänge oder verzerrt sie, er spielt bisweilen auch auf einem Wasserschlauch oder schlägt einfach gegen das Sax-Mikrofon. Daß eine solche Truppe keinen Geradeaushardrock oder klassischen Swing spielt, ist klar, und so erinnert das Ergebnis irgendwie an eine Mixtur aus Van der Graaf Generator und Meshuggah, allerdings ohne Vocals. Die drei Bandmitglieder wohnen auf einer Achse Köln-Osnabrück-Bremen, und aus zweitgenanntem Ort kamen auch Deterrent, die in den Spätachtzigern und Frühneunzigern die Metaller mit ihrem Jazzmetal nachhaltig verstörten - sollte da der aus Osnabrück kommende Drummer und Hauptsongwriter gewisse lokale Einflüsse aufgesogen haben? Aber egal wie: Malstrom beweisen, daß sie durchaus markante Themen schreiben können, wenn sie den Hörer mal nicht mit Notenkaskaden bewerfen wollen, und Saxer Salim kündigt den betreffenden Track "Ach komm schon, Claudia" an Position 2 spitzbübisch auch gleich als "Sommerhit" an, der natürlich nicht lange am Hauptthema (das freilich auch schon recht ausgedehnt ist) haftenbleibt, sondern sich schnell wieder ins gewohnte Bild setzt, wobei Malstrom nicht den Fehler begehen, den Hörer einfach nur zuzulärmen, sondern ein gutes Händchen für wirkungsvolle Dynamik offenbaren, die durchaus auch mal in der Nähe des akustischen Stillstandes landet. Als Instrumentalband kann man sich darüber hinaus natürlich auch bei den Songtiteln austoben - in den zwei Sets dieses Abends erklingen u.a. "Wart ihr schon mal auf einer Bobbahn?", "Ein Monchichi geht niemals zum Frisör, Part I" und der Oberbrüller "Ich hatte mal ein Kissen, auf dem stand 'Es gibt nur einen Gott - Belafarinrod'", alle drei übrigens vom Drummer komponiert und letzteres einem anderen, schon geringfügig bekannteren Trio gewidmet (Aufgabe an alle Die-Hard- Ärzte-Fans: Finde alle Zitate bzw. Anspielungen!). An Selbstbewußtsein mangelt es Malstrom offensichtlich nicht, an Gefühl auch nicht (prima Beispiel: das wabernde Intro der Ärzte-Hommage), an Spielfreude, Einfallsreichtum und Improvisationsvermögen gleichfalls nicht - für letzteres spricht die Tatsache, daß gleich mehrere Improvisationen erklingen, von denen diejenige, die den ersten Set abschließt, kurzerhand "Das Wasserwerk" getauft wird, mit mancherlei Klangeffekten, die an sprudelndes Wasser erinnern, aufwartet, sich strukturell nicht von den "auskomponierten" Stücken unterscheidet und in den anstehenden Aufnahmen zum nächsten Album problemlos 1:1 übernommen werden könnte. Das Publikum zeigt sich vom Dargebotenen hellauf begeistert (zumal aufgrund des sauberen Klangbildes auch alle Einzelheiten problemlos wahrnehmbar sind), die Band freut sich über die Reaktionen und erfüllt daher auch den Publikumswunsch, als Zugabe, anstatt zwischen "Ein Monchichi geht niemals zum Friseur, Part II" und einem Christina- Aguilera-Cover wählen zu müssen, beide Stücke zu hören, gerne. Freilich: Wer schon mit Tann im Dezember 2014 überfordert war, der wird mit Malstrom erst recht keine Freundschaft schließen - aber falls solche Menschen anwesend waren, hatten diese ja immer noch die Möglichkeit, sich die Kunstwerke anzusehen oder die laue Sommernacht am Grill zu verbringen. Insofern ein rundum gelungener Abend - seine weitere akustische Untermalung durch das DJ-Team Höhlermusic findet dann ohne den Rezensenten statt.

 

von rls, CrossOver online

 

 

 

 

"Weiser Panda" pfeift auf Konventionen

 

Rheinberg. Die Rheinberger MI-Jazz-Reihe findet vorerst im "Raum der Stille" in der ehemaligen Konvikt-Kapelle statt.

 

Jetzt also der "Raum der Stille". So heißt die ehemalige, inzwischen entweihte Kapelle im Konvikt an der Lützenhofstraße in Rheinberg seit einigen Jahren. Das Team der MI-Jazz-Initiative ist auf seiner Reise durch Rheinberger "Locations" dort gelandet. Zur Erinnerung: Der hochgeschätzte Saal in der Alten Kellnerei am Innenwall steht aus brandschutztechnischen Gründen nicht mehr zur Verfügung. Übergangsweise konnten zwei Konzerte im Forum des Amplonius- Gymnasiums stattfinden. Zum Start in die Herbstspielzeit fand jetzt erstmals ein MI-Jazz-Abend im "Raum der Stille" statt. Dort verzückte das Quartett "Der weise Panda" (nicht "weiße") knapp 40 begeisterte Zuhörer mit ganz besonderem Jazz.

Trotz sakraler Atmosphäre mit blauem Glaskreuz und Altartisch sowie einem Überangebot an Raumhall muss man sagen: Es hätte schlimmer kommen können. Wenn die Stadt den Raum bald mit schallschluckenden Teppichen und Dämmplatten ausstattet, kann man die kleinen, feinen MI-Jazz-Konzerte im "Raum der Stille" auch genießen. Hoffentlich ist das schon der Fall, wenn am 6. Oktober um 20 Uhr der ukrainische Top- Pianist Vadim Neselovskyi auftritt. Der Musiker hat sogar schon mit Jazz-Größe Gary Burton gespielt.

Zunächst aber ließen vier junge Pandabären etwas von ihrer musikalischen Weisheit aufblitzen. Sängerin Maika Küster, Pianist Simon Seeberger, Kontrabassist Yannik Tiemann und Schlagzeuger Jo Beyer spielten erfrischende Eigenkompositionen und kümmerten sich wenig um Konventionen.

Die Musikstudenten - alle in den Zwanzigern - sind spieltechnisch bereits voll auf der Höhe. Sie verstehen ihr Handwerk. Ach was, viel mehr als das: Sie sind bereis grandiose Könner an ihren Instrumenten. Aber das allein macht ihre Liebenswürdigkeit nicht aus. Es ist die Unbekümmertheit, mit der sie ihre Kompositionen anlegen. Das macht man nicht! Das darf man nicht! Das hat es noch nie gegeben! - um solche Dinge scheren sich die vier nicht im Ansatz. Sie entfalten ihre ganz eigene musikalische Handschrift. Mal riskieren sie Sequenzen, die Anklänge an wunderschöne Pop-Stücke haben. Mal haben ihre Stücke nahezu kammermusikalische Strukturen, mal atmen sie die Intimität großer Jazz- Balladen. Und zwischendurch wird gerne und viel improvisiert. Dann lässt Drummer Jo Beyer seine Percussion-Abteilung plingen und singen oder er kratzt mit dem Drumstick an den Rändern seiner Becken. Ein überaus talentierter und einfallsreicher Schlagwerker. Auch Maika Küster liebt das Experiment. Ihre wunderbare Stimme schickt sie nicht nur über die Oktaven, sondern verfremdet sie auch mit elektronischen Hilfsmitteln. Als Meister des dezenten Spiels entpuppt sich Simon Seeberger am Flügel, während Yannik Tiemann seinen erstklassigen Basslinien viel Raum verschafft.

Heute lief es richtig gut", sagt Maika Küster nach dem Konzert. Und erklärt, dass sich der Reiz der Weise-Panda-Musik auch daraus speist, dass jeder der vier Musiker eigene Kompositionen beisteuert. Und dass man sich was traut. Deutsche Texte zu singen zum Beispiel.

Geht nicht, gibt's nicht" - das könnte ein schöner Programmtitel für diese tolle Band sein. Das Publikum spendete reichlich Applaus.

 

(18. September 2015, Rheinische Post, Uwe Plien)

 

 

 

 

Erst wild, dann gepflegt

 

Das Auftaktkonzert der 46. internationalen Jazzwoche bot für jeden Geschmack etwas: Malstrom für die Liebhaber des modernen, wilden Jazz; Mario Biondi für die Liebhaber gepflegter und hochkarätiger Mainstream-Unterhaltung.

 

Den Anfang machte Malstrom, das deutsche Trio, das am Vorabend den Internationalen Nachwuchsjazzpreis der Stadt Burghausen gewonnen hatte. Axel Zajac (Gitarre), Jo Beyer (Drums) und Salim Javaid (Saxofon) machten da weiter, wo sie bei der Endausscheidung aufgehört hatten: Mit wildem, frechem, unverbrauchtem, aber auch feinfühligem Jazz. Malstrom spielt keine Stücke, sie zelebrieren sie. Schaffen Klangwelten, erzählen wahre Geschichten, die alle Gemütslagen von leise, fein, zart und nachdenklich bis laut, hart, wütend und grob durchlaufen, die alle Schattierungen auskosten und ausleben, mal ernst und nachdenklich, dann aber auch wieder witzig und humorvoll sind. Malstrom nutzt alle Facetten vom kammermusikalischen Jazz in Trio-Formation bis hin zu Anklängen an Metal-Rock und an Freejazz. Sie verkörpern frischen, unverbrauchten, lebendigen Jazz der Jugend.

 

Dabei erwiesen sich die drei aus Osnabrück stammenden Musiker auch als Meister ihrer Instrumente sowie der Komposition und des Arrangements. Alle Stücke stammen aus eigener Feder und sind feinstens ausgearbeitet. Ihren Instrumenten entlocken sie Töne, die unvorstellbar sind. Da nutzt Salim Javaid Plastikbecher als Schalldämpfer oder nimmt das Mundstück ab, um sein Instrument in eine Panflöte zu verwandeln. Malstrom fegte über den Bühnenrand hinweg und riss alle mit sich. […]

 

(24. März 2015, OVB Online )

 

 

 

 

 

Metal-Jazz-Trio gewinnt den Nachwuchspreis der Jazzwoche

 

Zwölf CDs haben sie noch übrig, die Zuschauerzahl übertrifft alles, was sie jemals erlebt haben und − ach ja − sie wollten ja noch ihrer Mama danken. Hier ist jemand überrascht, verdammt überrascht um genau zu sein: Die deutsch-tschechische Band Malstrom hat den Burghausener Nachwuchs-Jazzpreis gewonnen, nun steht sie am Mittwochabend als ungeahnte Eröffnungsband in der Wackerhalle auf der Bühne – drei Jungs Anfang zwanzig, ein schlaksiger Athletentyp hinterm Schlagzeug (Jo Beyer), ein rothaariger Rauschebart an der Gitarrre (Axel Zajac) und ein geschniegelter Kravattenträger am Saxofon (Salim Javaid). Was Malstrom hier betreibt, entbehrt jeglicher stilistischer Einordnung: es ist ein Heavy-Metal-Hardrock-Freejazz-Experiment unter Starkstrom, ein schweißtreibender Sinnesrausch und ein exzessives Spiel mit der musikalischen Urgewalt. […]

 

(19. März 2015, Passauer Neue Presse, Dorothea Walchshäusl)

 

 

 

 

 

 

Sparda Jazz Award für das Quartett "Der weise Panda"

 

Die Jury war gleichermaßen prominent wie kompetent besetzt: Den Vorsitz hatte Saxofonist und Komponist Klaus Doldinger, mit ihm zusammen berieten unter anderem Jazz-thing-Herausgeber und -Chefredakteur Axel Stinshoff sowie unser „Jazz thing Next Generation“-Kooperationspartner Volker Dueck von Double Moon Records über die Gewinner des „Sparda Jazz Awards“ 2015. Dieser Nachwuchswettbewerb wurde zum vierten Mal ausgeschrieben und richtet sich an junge, aufstrebende Bands aus Nordrhein-Westfalen. Die drei erstplatzierten Formationen bekommen nicht nur ein Preisgeld in Höhe von insgesamt 6.000 Euro, sondern spielen auch jeweils einen Auftritt auf dem Festival Jazz Rally Düsseldorf am Pfingstwochenende vom 21. bis 24. Mai. „Wir waren nicht nur von der Vielzahl der Bewerbungen, sondern auch von der hervorragenden Qualität in diesem Jahr begeistert“, so Jury-Mitglied Ursula Wißborn vom Vorstand der Stiftung der Sparda-Bank West: „Es freut uns daher umso mehr, den drei Bestplatzierten während der Jazz Rally eine Bühne bieten zu können. Gerade für den Jazz-Nachwuchs sind Projekte, die Liveauftritte vor Publikum ermöglichen, enorm wichtig.“

Den ersten Platz belegt das Quartett Der weise Panda aus Köln, Essen und Dinslaken, in dessen Jazzmusik das Gegensätzliche und Impulsive Konzept ist. Auf den zweiten Platz wählte die Jury das Pascal Bartoszak Quartett, das mit einem zeitgemäßen, die Jazztraditionen aus Europa und den USA verbindenden Modern Jazz überzeugen konnte. Und auf Platz 3 kam die Band Mari Mokati um die Kölner Sängerin Marie Marie Daniels, in deren Improvisationsmusik verhaltene Folklore-Melodien ebenso Platz haben wie lautstarke Rocksounds. Jazz-thing-Chefredakteur Axel Stinshoff: „Um den Jazz-Nachwuchs aus und in NRW brauchen wir uns keine Sorgen zu machen. Die gelegentlich beschworene Über-Akademisierung und Sound-Standardisierung konnten wir nicht feststellen: Individualität, Vielfalt und Mut kennzeichneten die deutliche Mehrheit der Projekte.“ Die exakten Auftrittstermine der drei „Sparda Jazz Award“-Gewinner und das Programm der diesjährigen Jazz Rally Düsseldorf gibt es auf der Festival-Site im Internet.

 

(19. März 2015, Jazzthing, Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius)

 

 

 

 

 

 

“Malstrom” gewinnt Burghauser Nachwuchs-Jazzpreis

 

Wieder waren es fünf hochqualifizierte Bands, die zum diesjährigen 7. Europäischen Burghauser Nachwuchs-Jazzpreis antraten und wieder stand die Jury vor einer schweren Entscheidung, um aus den Wettstreitern den Gewinner zu küren. Als zum Ende eines spannenden Abends mit vielen unterschiedlichen musikalischen Facetten die Band Malstrom den mit 10.000 EUR dotierten 1. Preis entgegen nahm, zeigte der bis auf den letzten Platz gefüllte Stadtsaal mit tosendem Applaus seine Zustimmung. „Mit Gitarre, Saxophon und Schlagzeug schaffen Axel Zajac, Salim Javaid und Jo Beyer mehr Farben und Assoziationsräume, als man von der kleinen Besetzung erwartet und haben dabei so viel Spaß an Dekonstruktion, dass aus ihrer Musik ein rundherum humorvoller Kommentar zu den Möglichkeiten des Gegenwartsjazz wird. Grund genug, ihnen den 7. Europäischen Burghauser Nachwuchs-Jazzpreis zu überreichen“, erklärt die Jury.

(18. März 2015, Redaktion JazzZeitung)

 

 

 

 

 

 

 

Rausgehen und Spaß haben

 

Beim „Czech Jazz Contest“ zeigen deutsche Nachwuchsbands wie „Bodosapiens“ oder „Der weise Panda“ ihr Können.

Die Veranstalter des „Reduta Jazz Club“ haben sich zum Ziel gesetzt, vermehrt junge Musiker zu fördern. Zum vierten Mal organisieren sie derzeit den „Czech Jazz Contest“, bei dem bis Ende März insgesamt 16 internationale Nachwuchsbands auf derselben legendären Bühne stehen, auf der schon Bill Clinton seinem Gastgeber Václav Havel ein Saxophon-Solo spielte. Bei der vom „Visegrad Fund“ und dem ersten Prager Stadtbezirk unterstützten Konzertreihe achten die Organisatoren nicht nur auf das musikalische Können, sondern auch auf die Innovationskraft der jungen Aspiranten. Teilnehmer dürfen höchstens 30 Jahre alt und müssen an einer Musikhochschule eingeschrieben sein. Unter den Kandidaten befinden sich diesmal gleich zwei Bands aus Osnabrück. PZ-Redakteur Stefan Welzel sprach mit den Musikern von „Bodosapiens“ und „Der weise Panda“ kurz vor ihrem Auftritt am Mittwoch vergangener Woche über den Reiz des Wettbewerbs, seltsame Bandnamen und ihre musikalische Ausrichtung.

Aaron Seitz, Yannik Tiemann und Jo Beyer, ihr betont bei „Bodosapiens“ stets, wie wichtig euch das gleichberechtigte Nebeneinander aller Bandmitglieder ist.

Was bedeutet das konkret?

Yannik Tiemann : Das hängt damit zusammen, dass wir alle aus komplett verschiedenen Genres kommen und musikalisch unterschiedlich sozialisiert sind.

Jeder hat seinen ganz eigenen Kompositionsstil. Wir sind ständig dabei, die richtige Balance zu finden. Würde einer die Führung übernehmen, würde es sehr schnell in eine Richtung gehen, in die die anderen beiden nicht folgen würden.

In welchem Jazz-Genre würdet ihr eure Musik verorten?

Aaron Seitz : Ich habe meine Jazz-Wurzeln im klassischen Stil der fünfziger und sechziger Jahre. Jo ist definitiv unser experimentierfreudigstes Mitglied.

Tiemann : Ja, Jo ist bei uns für den musikalischen Wahnsinn zuständig. Aaron stellt die traditionelle Basis dar, ich liege irgendwo dazwischen und vermittle, damit das Ganze auch funktioniert.

Jo Beyer : Meine Stücke sind oft atonal und schwer. Im Grunde halt ziemlich modern, wenn man bei den Genre-Einteilungen bleiben will. Aaron gleicht das ein wenig aus.

Ihr habt mit dem „Study-Up-Award“ bereits einmal einen Wettbewerb gewonnen. Nun nehmt ihr in Prag am internationalen „Czech Jazz Contest“ teil.

Wie wichtig sind Auftritte bei derartigen Veranstaltungen für eine junge Band?

Seitz : Für uns persönlich geht es in erster Linie um den Gig, die Möglichkeit, auf der Bühne zu stehen. Generell geht es aber oft um finanzielle Fragen. Wo kommt das Geld für unsere Konzerte her? Selbsttragend sind solche Abende selten. Deshalb bedarf es Subventionen und Sponsoren wie es hier beim Prager Wettbewerb der Fall ist. Wenn man einen Contest gewinnt, kommt man leichter an Fördergelder ran.

Tiemann : Der Gewinn des „Study-Up-Award“ ermöglichte es uns zum Beispiel, ein Studioalbum aufzunehmen. Solche Erfolge öffnen auf jeden Fall Türen.

Wie kam es zum Engagement im Reduta Jazz Club?

Beyer : Ich schreibe so ziemlich alles, was es an Festivals und Wettbewerben in Europa gibt, initiativ an und organisiere so unsere Konzerte. Bisher war die Trefferquote ganz ordentlich.

Was wisst ihr über die Prager Jazz-Szene?

Tiemann : Leider nicht sehr viel. Man hört aber auch in Deutschland und anderswo immer wieder, wie gut und vielseitig sie ist.

Jazzbands tragen oft klassische Namen, die nicht selten auf „Trio“ oder „Quartett“ enden. Wieso macht ihr etwas ganz anderes und nennt euch „Bodosapiens“ und „Der weise Panda“?

Beyer : Ich finde es ganz erfrischend, wenn der Bandname nicht gleich auf den Stil hindeutet. Bei einem „Quartett“ oder „Trio“ weiß man sofort, dass es sich um Jazz handelt.

Bei uns bleibt es zunächst offen, den Gedanken mag ich.

Maika Küster („Der weise Panda“) : Wir haben eine gemeinsame Freundin, die uns überhaupt erst zusammengebracht hat. Weil sie sich selbst gerne mit dem weisen Panda aus dem berühmten Animations-Trickfilm verglich, kamen wir auf den Namen. Er klingt zugegebenermaßen ziemlich doof, man kann ihn sich aber gerade deswegen gut merken.

Yannik und Jo, ihr spielt heute Abend in beiden Bands. Ist das nicht ein wenig kurios, innerhalb eines Wettbewerbs quasi gegen sich selbst anzutreten?

Tiemann : Ich mache mir da keine großen Gedanken. Ich gehe einfach auf die Bühne, gebe mein Bestes und versuche Spaß zu haben."

 

(Stefan Welzel, Prager Zeitung 11. März 2015)

 

 

 

 

"[...] Da trat beispielsweise die Band „Malstrom“ auf, ein Trio in außergewöhnlicher Besetzung: Ein Saxofonist, ein Gitarrist und ein Schlagzeuger interpretierten eigene Stücke wie „Eine grüne Wiese mit bunten Blumen drauf“. Da lieferte sich Axel Zajac mit seiner unkonventionellen achtsaitigen Gitarre nicht weniger unkonventionelle Schlagabtausche mit Saxofonist Zalim Javaid. Melodisch-schöne Passagen wurden mit experimentell-assoziativen konterkariert, eingefahrene Hörgewohnheiten eingedampft."

 

(Tom Bullmann , NOZ, Juli 2014)

 

 

 

 

 

 

- BODOSAPIENS - GEWINNER DES STUDYUP-AWARDS 2013 -

"[...] Einen Studiotag in Benno Glüsenkamps Fattoria Musica gewann das ebenso fulminante wie experimentelle Klaviertrio Bodosapiens für seine mitreißende Kultivierung kratzbürstiger Off-Beats."

 

(Tom Bullmann , NOZ, Mai 2013)

 

 

 

 

 

Junger Jazz mit Talent, Humor und Ideen

"Rheinberg. Das Trio "Bodosapiens" verzauberte das Publikum beim MI-Jazz in der Alten Kellnerei in Rheinberg.

Was auch immer dieser "Bodosapiens" für ein Typ sein mag: Er hat Talent, Humor und die Überzeugungskraft jugendlichen Tatendrangs. Hinter dem Namen "Bodosapiens" verbergen sich mit Aaron Seitz (Klavier), Yannik Tiemann (Bass) und Jo Beyer (Drums) drei sehr, sehr junge Jazz-Musiker, die das Publikum in der Alten Kellnerei beim Konzert in der MI-Jazz-Reihe nahezu schwindling spielten. Bodo öffnete seine Junior-Tüte – und heraus kam frischer und unbekümmerter, gleichzeitig hoch professioneller Jazz. Erste Sahne!

Ihr erstes Album haben diese Burschen, die in Osnabrück Jazz studieren, bereits veröffentlicht. Seit eineinhalb Jahren touren sie und verzaubern das Publikum mit ihren eigenen Kompositionen. Jeder der drei komponiert für sich und anders. Pianist Seitz mit Tendenzen zum traditionelleren Jazz, Drummer Beyer mit einem Faible für ausgefuchste Verrücktheiten, Bassmann Tiemann liegt irgendwo dazwischen. Schon an den Gesichtern der Musiker ließ sich die enorme Freude ablesen, die ihnen der Vortrag machte. Da ließen sie es in "The Aging" swingen, dass die Gesichtsfalten von allein verschwanden, bevor im tempomäßig etwas gebremsten "Das Tintenfass" die Groove-Maschine angeworfen wurde. Jo Beyer, der Schlagzeuger, komponiert so, wie er trommelt: präzise wie ein Uhrwerk, aber unorthodox. Seine Werke heißen "Hallo, mein Name ist Umberto" oder "Meine Mathe-Lehrerin sagte immer: Ein Tisch mit drei Beinen wackelt nicht". Beyer trommelte mal mit den Händen, bezog Ketten, Rasseln und anderes Percussionszeug in sein Spiel mit ein. "Bodosapiens" belasten sich nicht mit der Bürde großer Jazz-Traditionen, sie suchen sich eigene Wege. Was sie spielten, klang immer überraschend und ungewöhnlich. Und wirkte so authentisch und überzeugend, dass das begeisterte Publikum die Herren nicht ohne Zugabe entließ.

Als Matthias Göbel, der Leiter der MI-Jazz-Reihe, ankündigte, dass über die Gründung eines Niederrheinischen Mi-Jazz-Preises nachgedacht werde, stimmte ihm das Publikum zu: "Bodosapiens" wären geeignete Kandidaten dafür."

 

(Uwe Plien, Rheinische Post, 2. April 2014)

 

 

 

 

 

Bodosapiens - ein Jazz-Trio voller Elan

 

"Mit großem Elan und Spielfreude loten die IfM-Studenten Aaron Seitz am Klavier, Yannik Tiemann am Bass und Jo Beyer am Schlagzeug die klanglichen und kompositorischen Möglichkeiten eines Klaviertrios aus. Dabei agieren Schlagzeuger, Bassist und Pianist völlig gleichberechtigt nebeneinander, zeigen eine traumhafte Sicherheit und Präzision im Zusammenspiel bei der Interpretation der ausschließlich selbst komponierten Stücke.

Die CD wurde im Frühjahr 2013 live im Studio des IfM aufgenommen. Ein Tipp für Kenner und Jazzfans."

 

(Klaus Terbrack, Fachjournal der HS Osnabrück)